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v.l.n.r.:Elisabeth Windfelder und Jasmin Marschall von der Buchhandlung herr holgersson. Foto: privat

 

Elisabeth Windfelder und Jasmin Marschall
Inhaber und Geschäftsführerinnen
Gau-Algesheim

Buchhandlung herr holgersson. lesen & leben.

http://www.herrholgersson.de/

Jasmin Marschall, Jahrgang 1982, studierte Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Nach ihrem Studium absolvierte sie ein Volontariat im Verlag Hermann Schmidt Mainz. 2008 entschied sie sich für eine Ausbildung zur Sortimentsbuchhändlerin und arbeitete danach als Referentin für Produktentwicklung und Vertrieb am mediacampus frankfurt.

 

Elisabeth Windfelder, Jahrgang 1989, studierte ebenfalls Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Während des Studiums arbeitete die gelernte Buchhändlerin beim Börsenverein des deutschen Buchhandels und beim mediacampus frankfurt. Anfang Juli 2014 eröffnete sie gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Jasmin Marschall (siehe oben) die Buchhandlung herr holgersson. lesen & leben.




 

 

Woher kam die Idee, eine eigene Buchhandlung zu eröffnen?

Frau Marschall: Das können wir heute gar nicht mehr so genau sagen. Für uns beide ging es in ganz jungen Jahren mit der Liebe zum Lesen los und mit der Zeit und anwachsender Erfahrung in und mit der Branche hat sich daraus der Wunsch entwickelt, auch ein eigenes Buchhandelsunternehmen zu planen, zu gründen und zu führen. Den Gedanken einer eigenen Buchhandlung hatten wir unabhängig von einander schon vor einigen Jahren. Dann haben wir uns 2010 kennen gelernt und recht schnell begonnen, gemeinsam zu planen. Seit dieser Zeit haben wir ganz stark die Idee und den Wunsch verfolgt, einen besonderen Laden zu schaffen, der unser beider Handschrift trägt.

 

Was macht Ihre Buchhandlung so besonders?

Frau Windfelder: Das wird schon beim Betreten des Ladens deutlich. Unsere Buchhandlung ist eingerichtet wie eine Wohnung, mit Wohnzimmer- und Essbereich, einer kleinen Küche, einem Arbeitsbereich und einem Kinderzimmer. Das schafft eine unheimlich schöne Wohlfühlatmosphäre und hat mittlerweile auch schon Treffpunktcharakter. Unser Firmenzusatz lautet „lesen & leben" und das versuchen wir auf verschiedene Arten umzusetzen. Mit vielseitigen Veranstaltungen, wie beispielsweise Filmabenden, die in Buchhandlungen kaum bis gar nicht stattfinden oder einigen Kooperationen mit Gau-Algesheimer Unternehmen. Eine besondere Kochbuchauswahl von uns finden Sie hier auch im Biomarkt, im Gegenzug ergänzen wir unsere Küche und unseren Kochbuchbereich jeden Monat mit neuen leckeren Biomarkt-Produkten. Das macht nicht nur uns sondern auch den Kunden Spaß. Und in Zukunft werden wir zum Kochbuch dann auch kleine Kochkurse durchführen.

 

Was war die größte Herausforderung auf dem Weg zur Neueröffnung? Gibt es etwas, das Sie rückblickend anderes machen würden?

Frau Marschall: Insgesamt ist unsere Gründungsphase recht „ruhig" verlaufen. Ruhig im Sinne von: Wir sind zu zweit, wir wissen, was wir wollen und wir wissen auch, was wir nicht wollen. Wir haben außerdem bereits im November 2013 den Mainzer Gründerpreis „Leinen los" vom Nordhafen e.V. gewonnen, der uns beispielsweise eine wunderschöne und moderne Webseite beschert hat. Darüber hinaus hatten und haben wir immer Unterstützung von Familie und Freunden sowie Kollegen aus der Branche, die unser Team aus Bank-, Steuer-, Branchen- und IHK-Beratern komplettieren. Das hat vieles erleichtert. Dennoch war es nicht immer ganz einfach die Masse an Entscheidungen zu bewältigen, die alle ziemlich zeitgleich sowie gleichzeitig mit kaufmännisch-kühlem Kopf und Leidenschaft für die Sache zu treffen waren. In wie weit wir dabei die richtige Balance getroffen haben, wird sich noch zeigen.

 

Welches Buch darf ihrer Meinung nach nicht in ihrem Sortiment fehlen und warum?

Frau Windfelder: Das ist spontan Nina Sahms Debütroman „Das letzte Polaroid". Wir beide finden dieses Buch ganz großartig. Es handelt von Budapest, Urlaub und Zitronenbonbons, von Freundschaften und ihr Potential das eigene Leben zu verändern, von Vergessen, Erinnern und das eigene Leben ... Es ist ein schönes Sommerbuch mit der genau richtigen Menge an Schwere und Melancholie. Und: Unser erster hausgemachter Bestseller. Zu unserer Eröffnungsfeier am 13. September liest Nina Sahm am Abend aus ihrem Roman.

 

Nehmen Sie als Buchhändler das Internet eher als Chance oder als Bedrohung wahr?

Frau Windfelder: Als Chance, absolut. Wir sind mit unserer Eröffnung Mitglied im Verein buy local geworden. Und vor Ort einzukaufen geht inzwischen eben auch im Internet. Wir schaffen in unserem Laden stationär eine besondere Atmosphäre, eine Offenheit und Freundlichkeit und das haben wir auch versucht „auf die Mattscheibe", ins Internet zu verlängern. Und wir haben schnell nach unserer Eröffnung festgestellt, dass wir einige Kunden haben, die uns im Laden besuchen und am Wochenende über unseren Webshop bestellen. Im Netz haben uns auch ehemalige Gau-Algesheimer entdeckt, die mittlerweile über die Bundesrepublik verstreut wohnen und nun so eine Möglichkeit gefunden haben, ihre Bücher „zu Hause" zu kaufen. Außerdem haben wir einen jungen Fantasy-begeisterten Leser. Er bestellt regelmäßig Freitag abends im Webshop, holt sein Buch Montag nach der Schule ab und dann reden wir über seine neuesten Fantasytipps für unseren Laden. So gehen für uns Internet und Laden Hand in Hand.

  

Wie sollte sich ihrer Meinung nach die Buchbranche in Zukunft weiterentwickeln?

Frau Marschall: Die Buchbranche ist eine moderne, interessante und durchaus auch erfolgreiche Branche. Als solche wird sie in der Außenwelt nicht unbedingt wahrgenommen. Das ist schade, aber sicherlich zu einem Großteil auch hausgemacht. Wir sollten uns über die Sparten hinweg auf unsere Stärken konzentrieren, mit diesen Stärken arbeiten und diese auch kommunizieren. Ich wünsche mir, dass der Buchhandel sich darauf konzentriert, was er gut kann: Kunden begeistern, beraten, binden. Wenn man für das, was man macht, glüht, merken das auch die Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten. Das macht die Zusammenarbeit leichter und auch erfolgreicher.

 

Wo sehen sie ihre Buchhandlung in 5 Jahren?

Frau Marschall: Das ist eine interessante Frage, zumal wir so knapp nach der Eröffnung zum einen von Tag zu Tag denken, abends unsere neu gewonnene Erkenntnisse sammeln und uns gleich überlegen, wie wir unsere Kunden am meisten begeistern können. Zum anderen denken wir beispielsweise zum Thema „Veranstaltungen" in Wochen und Monaten. Beim Begriff „5 Jahre" flüstert es irgendwo leise im Hinterkopf „ Möglicherweise eine weitere Filiale". Das ist dann aber wirklich ganz hypothetisch.

 

Welches Buch lesen Sie momentan?

Frau Marschall: Ein ganz, ganz wunderbares Buch. Das neue von Neil Gaiman: „Der Ozean am Ende der Straße". Ich habe etwa die Hälfte gelesen und bin jetzt schon traurig, wenn es fertig ist. Es ist ein modernes Märchen mit einer wunderschönen Sprache.
Frau Windfelder: Ich lese gerade ein schönes Kinderbuch: „70 Tricks, um nicht baden zu gehen" von Gideon Samson. Für die Hauptfigur Gid gibt es nichts Schlimmeres als das Schulschwimmen. Ein wunderbares, humorvolles und offenes Buch.

 

Vielen Dank für das Interview, Frau Windfelder und Frau Marschall.

 

Mehr über die Buchhandlung herr holgersson und die beiden Inhaberinnen Elisabeth Windfelder und Jasmin Marschall erfahren Sie auf ihrer Website.